Auf den Rheinwiesen
Die Idee kam Mira recht spontan. Ausschlaggebend war wahrscheinlich das Wetter. Zu begeistern waren die Madels aber wohl sofort. Binnen weniger Stunden war der Betriebsausflug organisiert. Und an der Begleitung sollte es auch nicht scheitern. Zu mindestens für Freunde spontaner Entschlüsse. Oder für die, die es noch an diesem Tag wurden.
Wovon ich rede? Von der Düsseldorfer Rheinkirmes. Von Fahrgeschäften, Zuckerwatte und Losverkäufern. Doch der Reihe nach.
Man nehme Chantals langen Beine, Susis Möpse, Michelles Knackarsch und Miras wunderschöne dunkle Augen und füge dem ganzen vier gutgelaunte Chatter zu. Mit zwei Autos ergibt dies den Hauptbestandteil des Fröhlich-Betriebsausflugs zur diesjährigen Düsseldorfer Kirmes am Rheinufer. Als wir ankamen, tauchte die Sonne die Kirmes bereits in warmes Abendlicht und die Buden und Karussells warfen lange Schatten. Das laue Abendlüftchen und die Aussicht auf ein kühles Bier trieb auch weitere Besucher in Scharen zur Festwiese. Die Parallele zum Ameisenhaufen drängte sich auf. Genau die richtige Stimmung für Susi, die sich bereits frühzeitig festgelegt hat, auf welche der Knochenschleudern sie sich ihren Kick holen wird. Natürlich sollte es die höchste, schnellste und heftigste sein. Weitaus vorsichtiger ging da Michelle zu Werke, die erst mal eine Achterbahn der harmloseren Kategorie wählte. Wobei ich selbst diese Bahn anders eingestuft hätte. Von wegen harmlos.
Der auf sicherem Boden wartende Teil des Betriebsausflugs nutze die Zeit zum „People-Watching“. Allerlei kuriose und schräge Typen ließen sich da blicken. Gekrönt wurde das Ganze von einem innig umschlungenen und zarte Küsse austauschenden Pärchen vom anderen Ufer. Jung und verliebt müsste man noch mal sein. Verdammichnocheinmal.
Michelle und ihr Beifahrer hatten die Fahrt unerwartet gut überstanden. So konnten wir uns alle ein Bierchen genehmigen ohne von Grüngesichtigen irritiert zu werden.
Den Durst gestillt, setzten wir den Rundgang fort. Vorbei an Geisterbahnen, Autoscootern und Futterständen erreichten wir das Riesenrad. Nur Chantal und der mimosenhafte Autor dieser Zeilen wollten den verwegenen Ritt auf dem martialischen Rad des Todes wagen. Da wir aber den Rest der Gruppe nicht in die Verlegenheit bringen wollten, ängstlicherseits passen zu müssen, ließen wir unsere Ambitionen bezüglich dieser Beschleunigungsorgie fallen. Wir beschränkten uns aufs Zuschauen.
The Sky is the limit. Gemäß diesem Motto bestiegen zwei mutige Mitglieder unserer Gruppe die Himmelsschleuder. Jene, welche die Susi bereits zu Anfang zu ihrem Favoriten erklärt hatte. Diesem Gerät wird die Bezeichnung Menschenzentrifuge durchaus gerecht. Nach einer kurzen Wartezeit, in der man noch mal sein Leben Revue passieren lassen konnte, bestiegen unsere wagemutigen Helden mit 6 weiteren Lebensmüden die Gondel. Was dann geschah, lässt sich nur schwer beschreiben. Es war ein Durcheinander von Schleudern, Drehen, Wirbeln und Schaukeln. Und unsere 2 Heroen waren mittendrin. Was mir echt zu denken gibt ist die Feststellung, dass mir schon beim Zuschauen unwohl wurde.
Die Bodencrew folge dem Spektakel mit angehaltenem Atem. Wir waren uns sicher, auch die Besatzung der Zentrifuge hielt die Münder geschlossen. Mehr oder weniger freiwillig. Schon alleine wegen der irren Beschleunigung. Oder wegen der Höhe, in die man gerissen wurde. Oder weil die letzte Mahlzeit sonst getrennt vom Magen zum Landeanflug angesetzt hätte. Wer weiß?
Ich muss gestehen, dass die Gesichtsfärbung unserer beiden wieder gelandeten Aeronauten getürkt war. Sie haben sich sehr gut gehalten, alle Achtung. Prost, ‘n Bier drauf.
Es folge eine kleine Pause zwecks Stärkung. Aufgefallen ist mir, dass die beiden Himmelsflieger nichts zu sich nahmen. Seltsam. Fortgesetzt wurde unser Rundgang an diversen Bierzelten und Süßigkeitsständen vorbei zur Schießbude. Ich muss gestehen, dass Susi ein weitaus sichereres Händchen beim Anvisieren und auch beim treffen bewies als ich.
Danach ging es direkt zur Losbude. Wobei der Begriff Bude der 25 Meter langen und 3 Meter hohen Ansammlung von Plüschtieren, Tigerfellen und Schlummerkissen nicht gerecht wird. Auf jeden Fall beschloß Mira, dass nun die Zeit gekommen war, unser Glück beim Lose ziehen zu versuchen. Ein weißer Tiger von 2 Metern Länge sollte es werden. Erst wurden ein paar Lose gekauft. Dann wurden diese aufgerissen und die gesammelten Punkte gezählt. Dann wurden weitere Lose gekauft. Aufreisen der Lose und Punktezählen folge. Man kaufte danach noch ein paar Lose. Und zählte. Und Kaufte noch mal. Zählte und kaufte und zählte und kaufte und zählte.
Irgendwann, ich hatte mich inzwischen zu einem Bierchen abgesetzt, hatte man die erforderliche Zahl an Punkten zusammen um sich eines der großen Preise auszuwählen. Zwar nicht den großen Tiger, aber doch das ebenso schönes Tigerfell. Ebenfalls in weiß. Insgeheim, dessen bin ich mir sicher, hatten alle Jungs eine Vision. In dieser räkelten sich entweder Susi oder Chantal oder Mira oder Michelle in spärlicher Kleidung auf eben diesem Tigerfell. Ich für meinen Teil hatte natürlich diese Vorstellungen nicht. Natürlich nicht. Ich weiß, was sich gehört. In meiner Vision war das räkelnde Mädchen natürlich nackt.
Alles in allem, schade eigentlich, dass die Kirmes nur einmal im Jahr seine Zelte in Düsseldorf aufschlägt. Mal sehen, welches grüne Gesicht uns nächstes Jahr erfreut.